Von I, Sailko, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5918915

Erdiges Timbre und Kraft, die aus der Einsamkeit auftaucht: Die Sängerin Milva wird 80. Eine Hommage

Wallendes rotes Haar, linke Lieder – mit diesem Image wurde aus Maria Ilva Biolcati, 1939 bei Ferrara geboren, die Sängerin Milva. „La Rossa“ ist eine der wenigen Künstlerinnen, die Schlager ebenso wie Brechts Lieder oder Luciano Berios experimentelle Vokalopern aufführen und sich auf jedem Terrain Respekt verschaffen können. Dabei hatte sie das Singen vor zahlendem Publikum nur aus Not begonnen. Milva war erst 16, als ihr Vater seine Arbeit verlor und das schmale, damals noch schwarzhaarige Mädchen den Familienunterhalt verdienen musste.

Aus dieser harten Schule befreiten sie erst Brecht und das Theater. Giorgio Strehler engagierte Milva 1965 an sein Piccolo Teatro in Mailand. Die kleine Schlagersängerin und der große Theatermann, so sah sie es damals. Und: Bis dahin war alles nur Broterwerb.

Eine Ahnung, was Stolz, Hingabe und Perfektion bedeuten können

Als Milva 1978 dann mit dem Album „Von Tag zu Tag“ mit Theodorakis-Liedern Deutschland eroberte, war sie schon eine theatralisch gefestigte Persönlichkeit. Das fiel auf in der Hitparaden-Welt, hatte etwas uneinnehmbar Großes, auch wenn nicht alle Songs, die Gold-Schallplatten gewannen, auch wirklich glänzten. Vor einem Auftritt, bekennt sie, sei sie ein Nervenbündel, danach leer und kaputt. Dazwischen aber erlebt man eine Interpretin, die eine Ahnung davon vermittelt, was Stolz und Hingabe, Perfektion und die Kunst der Stilisierung bedeuten können. Milvas Kraft taucht kurz auf aus der Einsamkeit. Sie erobert ein Theater und verlässt es danach allein durch den Bühnenausgang, geschützt von einem gewaltigen Hut und einer undurchdringlichen Sonnenbrille. Wer es dennoch wagt, sie anzusprechen, wird sofort mit der Frage konfrontiert: War mein Deutsch gut? Wirklich gut?

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